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Von Puerto Natales aus machen wir uns auf den Weg ins ca. 280 km entfernte El Calafate. Der erste Teil (50km) führt über
grobe Sandpisten bis zum chilenisch-argentinischen Grenzübergang. Oft liegen die Zollstationen der beiden Länder viele
Kilometer auseinander und es dauert noch eine Weile, bis wir die argentinische Grenzkontrolle erreichen. Einsam liegt das Haus in der
weiten Landschaft, neun Beamte verrichten hier gleichzeitig ihren Dienst und sind froh über Kundschaft. Die Männer sind beeindruckt
von unseren Rädern und wollen alles wissen: Wie lange die Reise dauert, von wo nach wo wir unterwegs sind, ob wir die Fahrräder
aus Deutschland mitgebracht haben, was sie dort kosten. Nachdem die Formalitäten erledigt sind, kommt noch ein Beamter mit raus. Das
Gewicht der Gefährte interessiert ihn, und er macht den ultimativen Hebetest – so ein Grenzübertritt kann ziemlich unterhaltsam sein.
Auf der argentinischen Seite gibt es eine nagelneu geteerte Straße. Mit Rückenwind und leichtem Gefälle fliegen wir förmlich
durch die Landschaft und sind mit Durchschnittsgeschwindigkeiten zwischen 35 und 40 Km/h unterwegs. Die Abendsonne gibt der flachen Gegend das gewisse
Etwas und sorgt für die leuchtendsten Farben.
Nach vielen Stunden ohne Haus und Ortschaft erreichen wir das in unserer Karte verzeichnete Tapi Aike. Eine Tankstelle gibt es hier, eine Estancia
und eine Straßenmeisterei – das war's. Für die Nacht bekommen wir ein windgeschütztes und überdachtes Plätzen in einem Schuppen.
Hinter der Teermaschine, deren Schild auf die von ihr ausgehende Gefahr hinweist und um Abstand bittet, bauen wir unser Zelt auf. Das Highlight ist die
warme Dusche, freundlich angeboten vom einzigen Bewohner des Geländes. Was brauchen wir mehr.
El Calafate ist eine sehr touristisch geprägte kleine Stadt. Von hier aus starten teure Touren zum Gletscher Perito Moreno, einer Hauptattraktion
Patagoniens. Wir wollen uns das Geld für den Transfer sparen und probieren, per Anhalter dorthin zu kommen. Es läuft schlecht. Wir sind kurz
vorm Aufgeben als doch noch ein Auto stoppt – in mehrfacher Hinsicht ein echter Glücksgriff. Miki und Yonit kommen aus Israel und leben zur Zeit in
Stanford (USA). Wir verstehen uns von Anfang an wunderbar, haben ähnliche Interessen. Einfach genial.
Wuchtig sind die Eismassen des Perito Moreno. Bis zu 55 Meter hoch ragen sie aus dem Wasser heraus und sind in ständiger Bewegung, der Gletscher
ist sehr aktiv. Zwei Meter pro Tag bewegt sich das Eis vorwärts. An der schroffen Kante bricht es mit großen Knall ab und stürzt wuchtig
in den Lago Argentino, den größten See des Landes.
Mit den beiden Israelis verbringen wir den ganzen Tag. Am Abend gibt es ein Abschiedsessen im Grill-Restaurant mit 'Bife de Chorizo' – einem
argentinischem Steak. Es ist eine echte Herausforderung, was da vor uns auf dem Teller liegt. Die Steaks hier gibt es in mehreren Gewichtsklassen,
den großen Hunger kann man mit der 500g-Variante stillen.
In den Lago Argentino münden mehrere Gletscher des südlichen patagonischen Eisfeldes. Per Boot besichtigen wir in 9stündiger Fahrt alle,
ein lohnendes Erlebnis. Die abgebrochenen Stücke schwimmen als Eisberge durch den Lago – so etwas haben wir noch nie gesehen. Leuchtend blau und in
den bizarrsten Formen sind sie auf dem Wasser unterwegs und geben gerade mal 15 Prozent ihrer Größe über der Wasseroberfläche preis.
Unser Schiff fasst ungefähr 200 Personen, die nach ca. vier Stunden Fahrt zum Fotostopp auf den kleinen Lago Onelli losgelassen werden. Weil das
ganze Gebiet ein Nationalpark ist, darf man hier nicht alleine los spazieren. Die Rangerin an Board weist mehrfach eindringlich darauf hin, dass bis zum See eine Strecke von 800 Metern (!) per Fuß zurück zu legen ist. Und weil das richtig viel ist, heißt es: Kräfte einteilen ...
In den Onelli münden gleichen drei Gletscher, deren Eisstücke sich im See sammeln.
Am Abend ist unser Gletscher-Bedarf dann ziemlich gedeckt. Zeit sich wieder aufs Fahrrad zu schwingen (S).
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