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Rückenwind treibt uns voran, bis die Polizei uns jäh stoppt. Mitten auf dem windigsten Hügel von El Calafate müssen
wir unsere Pässe herausholen. Alles wird peinlich genau notiert, was Ewigkeiten dauert. Dass wir vor Sturm kaum unsere Räder
halten können, interessiert scheinbar niemanden. Ich erlaube mir die Frage: „Warum?“. Und bekomme zur Antwort: „Zur Prävention!!“.
Der Rest bleibt unserer Phantasie überlassen. Jedenfalls sollen wir doch bitte unsere Helme aufsetzen.
Weiter geht es, Spitzengeschwindigkeit 58 km/h auf gerader Strecke. Doch der Abzweig nach links, in Richtung Seitenwind, naht bedrohlich.
Schon in der Kurve können wir unsere Räder kaum noch halten. Anschließend radeln wir Kilometer für Kilometer weiter,
landen ständig rechts im Graben oder kommen erst gar nicht mehr auf den Sattel. Hilfe naht in Form eines Jeeps.
Wir halten dem Wind auf der Ladefläche stand und kommen so 30 km weiter. Im Auto sitzt neben dem Fahrer, der wie der junge Che aussieht,
ein alter Mann mit Schlapphut und wenigen Zähnen. Er hält ein altes Kofferradio wie seinen größten Schatz umschlungen.
Ein schönes Bild wie aus einem Western.
Wir radeln weiter. Die Landschaft wird sandig, die Berge wieder höher, ein Fluss schlängelt sich hindurch, wie in der Prärie. Fehlt
nur noch, dass ein Indianer um die Ecke biegt.(=die letzten drei Bilder im vorherigen Eintrag)
Nach 150 km Asphalt und Schotter gelangen wir schließlich nach El Chalten. Der Ort liegt mitten im nördlichen Teil des Parque Nacional
los Glaciares. Hier ist der Eintritt kostenlos, dafür gibt es reichlich Informationen und die Parkwächter sind engagierte Umweltschützer.
Wir lassen uns auf einem kostenlosen Campingplatz am Ortsanfang nieder. Vom Zelt aus haben wir einen wunderbaren Blick auf die Hauptattraktion des Parkes,
den über 3400 m hohen Fitz Roy. Heute verfangen sich noch Wolken in seiner Spitze. Doch am nächsten Tag, als wir zusammen mit unseren
Zeltnachbarn den Weg zur Laguna de los Tres erklimmen, haben wir strahlenden Sonnenschein und sehen den Berg in seiner vollsten Schönheit.
Die Laguna leuchtet blau, Blumen blühen, der Blick geht weit über Bergketten und Seen. Wir können den Tag zusammen mit Astrid und Rennart
aus Holland genießen, die mit den Rädern vom Norden gekommen sind. Am Abend werden beim gemeinsamen Essen die Neuigkeiten ausgetauscht.
Sie erzählen uns, wie schon andere Radler vor 4 Wochen, dass das Boot über den Lago del Desierto kaputt ist und nicht fährt.
Die verschiedensten Gründe dafür sind uns auf unserem Weg bis hierher zu Ohren gekommen: Das Boot sei kaputt, es fährt nur von Nord
nach Süd (Wie kommt es zurück?), der Kapitän hat seinen Job gekündigt, ... Die Agentur bestätigt die letzte Version.
Also bleiben wir noch einen Tag, in der Hoffnung, dass der neue Kapitän bald aus Buenos Aires eintrifft.
El Chalten ist klein, es existiert erst seit 21 Jahren. Wir genießen den Luxus eines Abendessens im Restaurant, bummeln durch die
staubigen Straßen und kaufen in einem der zwei kleinen „Supermercados“ energiereiches Essen für unsere nächste Etappe ein.
Wir werden es brauchen.(K)
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