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Nach über zwei Wochen Coyhaique heißt es: „Die Reise kann weiter gehen!“. Wir möchten in das argentinische Seengebiet nach Bariloche. Kein Problem, denken wir uns, die Stadt liegt genau auf der Strecke des Busunternehmens, das hoch in den Norden fährt. Am Schalter werden wir eines besseren belehrt. Obwohl der Bus die Stadt streift, hat er keine Lizenz zum Anhalten. Er fährt von Chile nach Chile und nutzt Argentinien nur als Transitland. Wir kaufen trotzdem Tickets.
Der Abschied von Graciela, Alvaro und der kleinen Tamara fällt schwer. Wir sind mit der Zeit bei ihnen heimisch geworden und genießen das unkomplizierte Miteinander. Am Busbahnhof kullern Tränen.
Aber unsere Reiselust treibt uns voran. Nach zwei Stunden im Bus ist an der Grenze Schlange stehen angesagt, damit wir den chilenischen Ausreise- und im nächsten Ort den argentinischen Einreisestempel bekommen. Unsere Hoffnung, doch in Bariloche aussteigen zu können, minimiert sich, als die Gepäckfächer versiegelt werden.
Am nächsten Grenzübergang ist die Schlange noch länger und die chilenische Einreiseprozedur komplizierter. Alle Taschen werden nach frischen Lebensmitteln durchleuchtet, die Angst vor Krankheitskeimen aus dem Nachbarland scheint groß.
Nach zwei Stunden am Schalter sind wir offiziell zurück in Chile, wechseln aber gleich wieder die Seiten. Eine Runde ums Grenzhäuschen, Einreiseprozedur und schon sind wir in Argentinien.
Wer nimmt uns mit nach Bariloche? Es gibt viele Autos in die richtige Richtung, aber alle sind voll besetzt. Argentinien ist ein ganzes Stück billiger als Chile und viele Chilenen verbringen hier ihren Urlaub. Versuchen wir es mit den LKW-Fahrern. Der erste ist mit acht Trampern mehr als voll ausgelastet. Tankwagenfahrer dürfen uns nicht mitnehmen. Dann haben wir Glück – Louis und seine Frau machen für uns in ihrem Fahrerhaus Platz und bringen uns nach Bariloche. Nach mehr als 24 Stunden, ca. 1200 Kilometern und zweifacher Anden-Überquerung sind wir endlich am Ziel.
Bariloche liegt traumhaft inmitten von Bergen am See Nahuel Huapi. Knapp 100 000 Einwohner leben hier, viele vom Tourismus. Es gibt Hotels mit schönen Gärten, man kann geschmackvolle Holzhäuschen zu mieten. Wir finden einen guten Campingplatz, von dem aus wir die Stadt und das Umland erkunden. Ein erster Ausflug führt uns in den kleinen Ort Llao-Llao. Im Hafen schaukeln Ausflugsschiffe auf blau-schimmerndem Wasser. Ein Wanderweg führt uns durch dichten Bambuswald auf den Berg Llao-Llao, von dem aus wir die weite Sicht auf den See, kleine Inselchen und die umliegenden Berge genießen. Wir fühlen uns ein bisschen wie in den Alpen.
Bariloche gefällt uns gut, wir bleiben. Der 1405 m hohe Hausberg „Cerro Otto“ erhebt sich direkt hinter dem Ort. Hübsche rote Gondeln bringen die Gäste hinauf, aber wir wollen wandern. Immer wieder stoppen wir, freuen uns an den gelb blühenden Blumen und der weiten Sicht. Kurz vor dem Gipfel gibt es eine Rast im Refugio Berghof. In der urigen Stube befindet sich ein kleines Skimuseum. Otto Meiling – ein Deutscher – ließ sich hier nieder, baute Ski und brachte den Leuten das Fahren bei. Inzwischen ist Bariloche DAS Wintersportgebiet Argentiniens.
Zurück in der Stadt kommen wir gerade richtig zum Karnevalsumzug. Unzählige in bunte Federnkostüme gekleidete Menschen tänzeln zum Rhythmus der Trommelgruppe durch die Straßen und werden begeistert gefeiert. Ein bisschen wie in Rio.(K)
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