10. März 2007 Das Dach Amerikas
 

Wir sind in Argentiniens Weinhauptstadt Mendoza. Die Stadt liegt am Fuße der Vorkordilleren und ist unglaublich grün. Obstplantagen gibt es hier, riesige Weinfelder, die Bergsilluetten immer malerisch im Hintergrund.
Von Mendoza aus brechen wir zu unserer ersten richtigen Andenwanderung auf. Es ist der Aconcagua, der uns reizt. 6960 Meter Höhe machen ihn zum höchsten Berg Amerikas. Für seine Gipfelbesteigung braucht man zehn bis fünfzehn Tage und Hochgebirgserfahrung. Wir selbst begnügen uns mit einer abgespeckten Variante.

Die Tour beginnt mit Schreibarbeit. Nur mit einer schriftlichen Erlaubnis ist es möglich, im „Parque Provincal Aconcagua“ zu wandern. Sie kostet für drei Tage umgerechnet 25 Euro und ist nur im Parkbüro in Mendoza zu haben.
Neben den üblichen Formalitäten wie Name, Passnummer etc. müssen wir einen Fragebogen ausfüllen, indem u.a. nach Krankheiten und Blutgruppe gefragt wird. Am nächsten Tag geht’s los. Langsam arbeitet sich der Bus in die Anden vor, die Berge werden höher, die Straße kurvenreicher. Vier Stunden und ca. 150 km später stehen wir vor dem Eingangsschild des Aconcagua-Wanderweges, Ausgangshöhe circa 2720 Meter.
Mit den Permits müssen wir zunächst zum Check-Inn (das heißt wirklich so) der Parkrancher. Dort werden die Unterlagen kontrolliert, man erhält eine kurze Einweisung und einen nummerierten und damit personalisierten Müllbeutel, den man beim Verlassen des Parkes wieder abgeben muss.

Verglichen mit der Hüttentour in Bariloche ist die Schwierigkeit des Wanderweges gering. Aber mit jedem Schritt gewinnen wir an Höhe und das ist die eigentliche Herausforderung. In 3300 Metern Höhe erreichen wir am Abend unser Übernachtungscamp. Auch hier müssen wir uns wieder anmelden, erhalten vom Rancher einen Kontrollstempel und die obligatorische Einweisung. Zum Akklimatisieren sollen wir viel trinken, min. drei Liter täglich. Ein bisschen merken wir die Höhe schon: Leichte Kopfschmerzen, kurzzeitig minimale Schwindelerscheinungen – vor allem bei Bewegungen wie schnellem Aufstehen etc..
Doch die Wanderer sind hier oben gut aufgehoben. Es gibt an allen Camps die Möglichkeit, sich kostenfrei ärztlich untersuchen zu lassen. Sollte die Höhenkrankheit richtig zuschlagen, ist der Rücktransport per Maulesel oder Hubschrauber inklusive.

Anfang März ist schon Ende der Nebensaison. Glück für uns, denn damit herrscht hier ziemliche Ruhe (17 statt 200 Zelte) und wir können diese „Mini-Expedition“ wirklich genießen.
Am Rand des Platzes stehen die Unterkünfte der Outdoor-Firmen. Für den Luxuswanderer gibt es ein echtes Bett, Vollverpflegung und Duschkabinen. Aus dem Verpflegungszelt dringt bis spät in die Nacht Radiomusik. Wir finden das schon seltsam, mit Natur erleben hat das nicht mehr viel zu tun.

Den Tag zwei absolvieren wir ohne schweres Marschgepäck. In vier Stunden erreicht man den „Plaza Franca“, ein 4200 Meter hoch gelegenes Basiscamp mit Megaausblick auf den Aconcagua. Der Weg führt neben einem Gletscher entlang, den wir auf den ersten Blick überhaupt nicht als solchen erkennen. Dunkles Geröll überdeckt das Eis. Erst am Fuße des Aconcagua kommen die weißen Spitzen, die wie Sahnehäubchen empor ragen, zum Vorschein.

Der Abend im Camp wird ziemlich kühl, starker Wind fegt über die Zelte hinweg. Während wir schlafen, nutzt das Wasser im Behälter die Zeit, um den Aggregatzustand zu wechseln - am nächsten Morgen ist die Hälfte vereist.
Für den Abstieg brechen wir früh auf. Am Wegesrand begegnen uns Lastesel, die das Material der höher gelegenen Camps für den Winter ins Tal bringen.

Die letzte Attraktion des Tages ist die Puenta [Brücke] der Inkas, Ein Naturfels, der sich mächtig über den Fluss spannt. Das Wasser ist hier 35 Grad warm, bis in die 60iger Jahre gab es ein Hotel mit Thermalbad. Davon übrig sind nur noch die Außenmauern, eine riesige Welle hat dem Badevergnügen damals das Ende bereitet. (S)