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„Fühlt euch wie zu Hause!“ - eine Aufforderung, der wir nur zu gern Folge leisten. Der das sagt, heißt Marcelo und wohnt mit seiner sympathischen Familie in La Rioja.
Es sind Tage, in denen wir uns viel unterhalten, Gedanken und Wissen austauschen und so wieder ein Stück mehr über das Argentinien jenseits der Touristenpfade erfahren.
Hakt es mal mit der Verständigung, springt Marcelo im Eiltempo an seine große, weiße Tafel und versucht – mittels lustiger Erklärungen – geduldig unser Sprachdefizit um eine neue Vokabel zu verkleinern.
Seine Frau arbeitet als Lehrerin in der nahen Grundschule. Lange sitzen wir mit ihr am Frühstückstisch und lauschen ihren Erzählungen über die Zustände in ihren Klassen. Viele Menschen hier oben im Norden sind arm, haben kaum genug Geld, ihre Kinder zu ernähren. Von einer guten Ausstattung für die Schule ganz zu Schweigen. Ein Hauptproblem ist die Korruption in Argentinien. Die Bestechlichkeit der Funktionäre leitet das vorhandene Geld in falsche Kanäle, macht die einen reicher und die anderen ärmer. Sie hat Tränen in den Augen, als sie uns davon berichtet, sagt, dass ihr die Probleme in der Schule manchmal zu viel werden und an die Substanz gehen. „Aber, ich liebe meinen Beruf“.
Am Abend öffnet sich die Tür zum Wohnzimmer und zwei charmant aussehende junge Damen betreten den Raum. Eine davon ist Marcelos Tochter Paula, die sich für den 15. Geburtstag einer Freundin ordentlich in Schale geworfen hat. Für die argentinischen Mädchen ist dieses Jubiläum ein Ereignis, was richtig groß gefeiert wird. Die Jungen dagegen müssen noch drei Jahre auf ihr Fest warten.
Am Sonntag gibt es ein Familienausflug, wie er im Buche steht. Zu sechst fahren wir ins Hinterland von La Rioja, einer beeindruckenden Gegend mit dunkelrot leuchtenden Felsmassiven und Kakteenlandschaften. Die stachligen Pflanzen sind hier baumgroß und beherrschen mit ihren Silhouetten den ganzen Horizont. Am Wegesrand stoppen wir an einer der vielen Minialtäre der in Argentinien sehr verehrten „Difunta Correa“. Der Legende nach, verdurstete sie auf dem Weg zu ihrem Mann in der Wüste. Als man sie fand, hing ihr Kind noch an der Brust und überlebte. Heute ist „Difunta Correa“ die Schutzheilige der Auto- und LKW-Fahrer. Überall im Land finden sich an den Straßen Gedenkstätten in allen erdenklichen Größen. Geschmückt sind sie mit etwas seltsam anmutenden Devotionalien, wie Autoreifen, ganzen Karosserien und vor allem mit Wasser befüllten Plastikflaschen.
„Difuntas“ Fundstelle in der Wüste ist heute ein stark frequentierter Wallfahrtsort. Argentiniens katholische Kirche verurteilt mit Nachdruck diese Anbetung und geht auf Distanz.
La Riojas Innenstadt ist geprägt vom Glanz kolonialer Zeiten. Sakrale Bauwerke beherrschen das Stadtbild. Obwohl mit knapp 150.000 Einwohnern fast genauso groß wie San Juan, geht hier alles etwas gemächlicher zu. (S)
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