25. März 2007 Andersartig
 

Mittagszeit. Gerade haben wir bei einer alten Frau würzigen Ziegenkäse, frisches Weißbrot und Rosinen erstanden. Unter einem Baum halten wir Siesta und lassen es uns schmecken. Die „Verkäuferin“ wohnt in einem kleinen Lehmhaus mitten in der Quebrada de Cafayate.

Quebrada bedeutet Schlucht. Wassermassen haben sich in Gesteinsschichten eingegraben und die schönsten, rot leuchtenden Gebilde geformt. Im „Amphitheater“ lauschen wir verzaubert den Klängen einer Flöte.
Wir haben Zeit, diesmal drängt kein Busfahrplan. Die Reisekasse steht im Plus, für die nächsten Tage sind wir mit einem Mietauto unterwegs.

Mit seinen staubigen Straßen und einfachen Lehmhäusern kommt uns der Nordwesten Argentiniens vor, wie eine andere Welt. Die Menschen sehen dunkler aus, Frauen tragen ihre Kinder im Tuch auf dem Rücken, die Haare zu dicken schwarzen Zöpfen geflochten. Weiß getünchte Kirchen leuchten schon von weitem in der Landschaft. Wo es Wasser gibt, wird Mais angebaut. Pferde und Esel weiden am Straßenrand. Kaum jemand hat ein Auto. Die Menschen laufen – zur Schule, zum Feld, zum nächsten Dorf. Es ist eine Gewohnheit, sagen sie. Oft nehmen wir jemanden mit und kommen ins Gespräch. Eine hunzelige Frau möchte zu ihren Kühen. Ein älterer Mann aus den Hochanden ist unterwegs zum monatlichen Besuch seiner Familie im Dorf. Schulkinder lachen und winken, unser Auto bringt sie bis zu ihrer Lehmhütte. Die Mutter wartet schon.

In Angastaco lernen wir Sara kennen. Sie arbeitet in der Touristeninformation, führt uns durch den kleinen Ort und schließt die Kirche auf.
Seit mehr als 14 Monaten hat sie keinen Lohn erhalten. Sara hat 5 Kinder. Ihr Mann töpfert und versucht, seine Waren als Souvenirs an Touristen zu verkaufen Doch die Hauptsaison ist vorbei. Sara erzählt, dass es eine staatliche Hilfe für arbeitslose Frauen mit Kindern gibt: 150 Pesos pro Monat (umgerechnet nicht mal 40 Euro). Die holt sie im ca. 100 km entfernten Cafayate, das Busticket für Hin- und Rückfahrt kostet schon 20 Pesos.

Außen stachlig, innen ungeahnt schön. Immer wieder sehen wir Kakteen in allen erdenklichen Größen in der Landschaft wachsen. Aus Mangel an Bäumen, dienen sie hier als Holzlieferant. Es gibt Kaktustüren, Zimmerdecken aus Kaktus und sogar Beichtstühle aus diesem für uns ungewöhnlichen Material.

Inzwischen haben wir uns an die Höhenluft gewöhnt – die meisten Ortschaften liegen über 2500 Meter. Straßen schlängeln sich hinauf und hinab und geben immer wieder weite Talblicke frei. Felsen leuchten rot, gelb und braun. In Humahuaca, einem gemütlichen Ort im Norden, bummeln wir über den Markt. Neben Obst und Gemüse gibt es bunt gewebte Teppiche und Decken zu kaufen. Ein fröhliches Durcheinander. (K)