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Fahren wir nach Iruya! - eine wirklich grandiose Idee.
Die ersten 20 Kilometer der Strecke bringen wir über die asphaltierte Straße recht komfortabel hinter uns. Dann zweigt der Weg ab: „Iruya 59 Kilometer“.
Nach einer halben Stunde sind wir mit den Nerven am Ende. Große, spitze Steine, tiefe Schlaglöcher und im 100m-Abstand Gebirgsbäche, die wir durchqueren müssen und die immer tiefer werden. Kati will umkehren und objektiv gesehen wäre das sicher der bessere Plan, doch mich treibt es weiter.
Wir stehen mal wieder vor einem Wasserlauf, als ein Auto entgegenkommt. Der Fahrer macht Mut und versichert, dass sich die Straße bessert und auch mit einem Kleinwagen passierbar ist.
Er hat recht. Unmerklich arbeiten wir uns den Berg hinauf, am Wegesrand mitten im Nichts eine Bushaltestelle. Viele Kilometer weiter stehen vereinzelt Häuser aus Lehm. Die Wäsche auf der Leine verrät, dass hier wirklich Menschen leben, fernab von größeren Orten, ohne Strom, ohne einen Laden um die Ecke.
Nebel kommt auf und wir sind von einem Verkehrschild überrascht, dass unseren aktuellen Standpunkt mit 4000 Meter über dem Meeresspiegel deklariert. In engen, nur eine Spur breiten Serpentinen geht es hinab ins Tal.
Die Landschaft hier ist atemberaubend. Wasser hat über die Zeit hunderte Meter tiefe Schluchten geschaffen. Wie Straßenkreuzungen finden sie zusammen und vereinigen sich zu einem gewaltig breiten Flussbett, dass sich dynamisch durch die Felslandschaft windet.
Selbst in dieser Abgeschiedenheit haben wir wieder Mitfahrer. Eine vierköpfige Familie begleitet uns bis nach Iruya. Mehrere Stunden hatten sie für den Weg veranschlagt, der Einkauf muss erledigt werden.
Drei Stunden sind wir schon unterwegs. Eine letzte Kurve. Dann gibt das Tal den Blick frei auf das kleine Andendorf Iruya.
Als wäre sie an den Fels geklebt, thront – weit sichtbar – die Kirche über der Schlucht. Die Straße endet einige Meter vor dem Gotteshaus, ab hier geht es besser zu Fuß weiter.
Iruyas Gassen sind eng, mit groben Steinen gepflastert, sehr steil.
Hähne krähen, Pferde und Esel „parken“ vor den Häusern – ein friedlicher, aber kein ausgestorbener Ort. Für diesen Eindruck sorgen die vielen Kinder und Jugendlichen, die hier mit ihren Familien leben.
Und immer wieder der Blick auf die Berge, die Iruya wie eine mächtige Mauer umschließen. Die Szenerie ist absolut beeindruckend und nur schwer mit Worten zu beschreiben.
Auf der Fahrt hierher wurden wir mehrfach von Kindern angehalten, die um Kekse und Karamelbonbons baten. Damit wir auf dem Rückweg nicht wieder mit leeren Händen dastehen, versorgt uns Gloria in ihrem kleinem Kiosk mit den notwendigen Utensilien. Was passiert denn, wenn der Fluß, der das Dorf in zwei Hälften spaltet, hohes Wasser führt? - Dann müssen die Leute zu Hause bleiben und eben warten, sagt Gloria, als wäre dies die normalste Sache der Welt.
Die Straße endet in Iryra und doch ist hier nicht Endstation. Weit verstreut liegen in den Bergen noch kleine Dörfer, die nur über schmale Pfade zu Fuß und Lasttier zu erreichen sind. Das am meisten entfernteste liegt über 12 Stunden Fußmarsch von Iryra entfernt.(S)
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