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Nur das Licht der Kopflampen erhellt unseren Weg. Der Untergrund ist feucht und matschig. In der Ferne sind Klopfsignale zu hören. Eile ist geboten, um schnell in die nächste Nische zu gelangen.
Wir sind im Wortsinne mittendrin, im Hausberg der Minen- und Weltkulturerbestadt Potosi.
Mächtig erhebt sich der rotfarbene Cerro Rico, der reiche Berg, über den Ort. Sein Inneres sieht dagegen aus, wie ein löchriger Käse. In über 200 Minen arbeiten 15.000 Bergarbeiter, um mineralhaltiges Gestein abzubauen. Seit Gründung der ersten Minen wird hier vor allem Silber gefördert. Bis in die 1950iger Jahre war Potosi Spaniens Münzenlieferant. Heute kommen Bolivens Geldscheine aus Frankreich und die Münzen von der einstigen Kolonialmacht Spanien.
Besichtigungen der Minen beginnen mit dem Besuch des „Miner-Markets“. Hier gibt es alles, was die Arbeiter brauchen, in kleinen Geschäften zu kaufen: Schutzhelme; Werkzeuge; 98%igen Alkohol; das dreiteilige Dynamitset, bestehend aus einer Sprengstoffrolle, Zündschnur und Adapterstück zum Angebotspreis von 10 Bolivanos (=1 Euro).
Zu fünft wagen wir uns in eine der vielen Minen. Durch einen engen Gang geht es erstmal mehrere hundert Meter in den Berg hinein. Es ist schon ein mulmiges Gefühl, der Cerro Rico ist alles andere als ein Besucherbergwerk im deutschen Sinne. Aller 40 Meter gibt es kleine Ausbuchtungen, um den regen Loren-Verkehr in und aus dem Berg passieren zu lassen.
Dunkel und sehr warm ist es hier drin. Es gibt viele Abzweigungen, Lichtkegel tauchen auf und verschwinden wieder, irgendwo ganz hinten hören wir Stimmen. Nach 30 Minuten gebückten durch Wasser und Schlamm Laufens, erreichen wir das Ende eines Ganges. Unser Guide weist auf ein vielleicht 70 cm großes Loch. Dort durch? Ja. Dahinter verbirgt sich ein kleiner Hohlraum, in dem wir kaum stehen können. Mit Spitzhacke ausgestattet arbeitet sich hier ein Minenarbeiter in den Berg hinein, zehn bis zwölf Stunden täglich.
Im Cerro Rico arbeiten auch Miner, die nur mit Öllampen ausgestattet sind, die komfortable Akkulampe ist zu teuer. Auch Pedro begegnen wir hier unten. Zwölf Jahre ist er alt und arbeitet bis zum frühen Nachmittag in der Grube, um seine Eltern auf dem Land zu unterstützen. Danach, um sechs am Abend, geht er zur Schule.
Nach über drei Stunden sehen wir Tageslicht am Ende des Tunnels. Froh wieder staubfreie Luft atmen zu können, war dies mit Sicherheit die speziellste Führung, die wir je gemacht haben. (S)
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