06. Dezember 2006 Argentinien a la carte
 

Vielleicht sollten wir uns eine genauere Karte von Feuerland kaufen. Gesagt, getan - so biegen wir auf dem Weg zum Flughafen in das „Instituto Geogràfico Militar“ ein. Stephan schaut nach den bepackten Rädern, ich begebe mich mutig in das Innere des riesigen Gebäudekomplexes. Am Eingang stellt sich mir der Pförtner in den Weg, ich sage ihm was ich will. Er ist nett, begleitet mich persönlich zum richtigen Zimmer und ruft einen jungen Knaben in weißem Mäntelchen zu, dass er kommen solle, weil Kundschaft da sei.
Ich möchte also eine Karte zum Radfahren in Feuerland kaufen. „Kein Problem“ sagt er und blättert mir einen Plan hin, darauf die Insel unterteilt in 39 Planquadrate. Er fragt, welche Karte ich gern hätte und schaut etwas verlegen, als er mir erklärt, dass einige der Karten nur als Satellitenbilder erhältlich sind. Nun – ich merke schon, dass uns das nicht weiterhelfen wird, aber ich möchte ihn nicht enttäuschen und zeige auf ein Planquadrat im Süden. Daraufhin wird vor mir eine schöne Satellitenkarte von Ushuaia ausgerollt. Die gefällt mir wirklich, aber sowohl ich als auch der nette blasse Jüngling gegenüber stellen fest, dass die Karte für eine längere Radtour nicht geeignet ist.

An der Wand des Zimmers hängt eine schöne große Karte von Feuerland und ich zeige auf die und frage, ob ich nicht so etwas in klein kaufen kann. Das Gesicht des Gegenübers erhellt sich und er begleitet mich in ein anderes Zimmer mit einem älteren Herrn und zwei Damen. Auch diese hören mir geduldig zu und nicken – ich fühle mich meinem Ziel nahe. Nach längerem Suchen und Hinzuziehen einer weiteren Dame wird vor mir feierlich eine 1,5 x 2 m große laminierte Karte entrollt – wie im Geografieunterricht. Alle strahlen um die Wette – ganz sicher, das Richtige gefunden zu haben. Ich gebe auf. Sie zeigen mir, wie gut die Karte für Regenwetter geeignet ist und das sie total stabil ist. Der Preis ist günstig. Ich muss sie enttäuschen und zeige nochmal auf meine Vorderradtasche, wo sie reinpassen müsste. Das sehen sie ein. Am Ende gibt es eine herzliche Verabschiedung und gute Wünsche für die Reise.
Ich glaube, das Institut hat nicht allzuviele Besucher, die einfach eine normale Karte kaufen möchten ... (K)