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Drei Nächte wollten wir bleiben, inzwischen ist eine ganze Woche vergangen. Ushuaia ist einfach viel zu schön,
um gleich weiter zu reisen. Vielleicht liegt es auch an unserer schönen Zeltstelle hoch über der Stadt. Die Betreiber
sind sehr, sehr freundliche Menschen. Und dann gibt es da noch die Nachbarn, Reisende aus aller Welt. Unter ihnen ist auch ein
Franzose,für ihn ist Ushuaia Ziel einer 1,5 Jahre dauernden Radtour – wir haben viele Fragen...
Die Auswahl an Aktivitäten am Ende der Welt ist groß. Unten am Hafen der Stadt buhlen Anbieter von Motorschiff- und Segeltörns
um Kundschaft. Die Boote drehen eine Runde im Beagle-Kanal und stoppen für eine kleine Wanderung an den kleinen Inseln. Wir informieren
uns über das Angebot, lehnen aber ab – die Preise sind alles andere als günstig.
Aus dem Zentrum heraus führt die Ruta 3 Richtung Alaska. Wir folgen ihr mit den Rädern ein Stück und biegen in eine
ungeteerte Straße ein. Sie verläuft oberhalb des Beagle-Kanals und bietet atemberaubende Aussichten auf die Stadt und die
wuchtigen Feldmassive. Irgendwann endet der Weg – doch nur für Fahrzeuge. Kilometerweit führt ab hier ein Wanderweg durch Wälder
und über Wiesen zur Estancia [=Farm] „Tunel“.
Ushuaias Zentrum hat Atmosphäre. Manchmal fühlen wir uns wie auf einer „lebendigen“ Outdoormesse. Touristen schlendern in Mütze,
Handschuhen und alpiner Trekkingausstattung durch die Straßen. Für die Einheimischen ist Sommer, da genügen schon mal T-Shirt
und kurze Hose.
In der Hauptverkehrsstraße San Martín herrscht geschäftiges Treiben. Souvenir- und Outdoorläden wechseln sich ab mit Restaurants
und z.T. sehr großen Internetcafés – der Bedarf ist ohne Zweifel vorhanden.
Fürs sightseeing bietet Ushuaia einige Museen, unter anderem das „Mundo yamaná“. Es dokumentiert das Leben und tragische Aussterben der
Feuerland-Indianer. Vier verschiedene Stämme mit 3000 Ureinwohnern gab es bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts. Einwanderer schleppten
Krankheiten wie Typhus ein, innerhalb kurzer Zeit verminderte sich die Population um 90% auf 300 Indianer. Von einem Stamm existieren heute nur noch
die Fotos im Museum.
Wir besuchen heute den „tierra de fuego“-Nationalpark. Am Eingang erinnert uns die Preistafel daran, dass wir extranjeros (=Ausländer) sind.
Für die Tickets bezahlen wir einen 4fach höheren Preis als argentinische Besucher. Normale Einkäufe im Supermarkt kosten uns
ungefähr die Hälfte der deutschen Preise. Man kann sich also fragen, ob diese radikale Unterscheidung zwischen Aus- und Inländer
wirklich gerecht ist ...
Im Park gibt es viele Wanderwege, auf denen man noch die Spuren der Indianer verfolgen kann. Wir sind mit dem Fahrrad unterwegs. Damit können
wir die Gegend an einem Tag erkunden, bis zur allerletzten Ecke fahren und landen am Ende der Ruta 3. Ein großes Schild markiert diesen Punkt
und zeigt die Entfernung bis zum Straßenanfang in Alaska.
Leider sind die Wolken heute nicht so gnädig zu uns, es regnet viel. Ohne Winterausstattung wäre es jetzt ziemlich ungemütlich.
Doch dann, am Ende des Tages, klart der Himmel auf. Der Nebel verzieht sich und gibt den Blick frei - auf ein plakatreifes Bilderbuch-Panorama.
Mit einer besonderen Attraktionen kann der Nationalpark noch aufwarten. Eine ehemalige Industriebahn bringt heute Touristen ins Parkinnere. Die
kleinen Wagen schlengeln sich wenige Kilometer durch den dichten Wald bis es heißt:
Nächster Halt: Ende der Welt.
P.S. Danke für die Gästebuch-Einträge. Auch wenn wir weit entfernt sind, denken wir an Euch zu Hause und freuen uns über die 'Lebenszeichen'.
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